Sonntag, 29. November 2015

Die Sache mit den Sonderbarkeiten und Kostbarkeiten einer Region.

Grenzstein beim Grenzübergang in Goricia

Was hat die britische Hardrock Formation Iron Maiden mit Gorizia (Goricia, Görz, Gurize) am Hut? Nichts und wieder sehr viel. Denn Maiden passierten, wie hier am Grenzstein von einem Fans festgehalten, am 02.04.1981 den Eisernen Vorhang nach Slowenien. Dies erinnert sehr stark an Zeiten in denen immer wieder, medienwirksam, äußerst populäre Rockbands „hinter“ dem Eisernen Vorhang einzelne Konzerte geben durften. Die Luft der Freiheit war spürbar, um danach oft wieder eingeengt zu werden, doch Kunst war und ist allemal die Vorhut einer Bewegung, die sich nicht aufhalten lässt.

Der Wein reift im Tongefäß

Den Karst und sein Leben muss man sich als Mosaik von Sonder- und Kostbarkeiten vorstellen. Wir besuchten, wie schon einige Male in diesem Blog, einen Winzer, dieses Mal einen Radikalwinzer, der wahrscheinlich besser in die zerklüftete und unbiegsame  Landschaft passt, als viele andere. Evangelos Paraschos, ein gebürtiger Grieche, ist ein Mann, der das Risiko liebt. Er studierte in Triest Pharmazie, doch nur nach drei Monaten schmiss er seinen Job als Apotheker hin und spezialisiert sich auf Wein. „Vini Veri“, nennt er seine Weine und die Wahrheit liegt in der Herstellung. Ohne Chemie lässt er seine Weiß- wie Rotwein vergären und keltert so einen der begehrtesten, regionalen, Orange Weine. „Ein risikoreiches Geschäft, nicht jeder Jahrgang bringt das gleiche Ergebnis“, erklärt uns der Sohn des Winzers, Jannis Paraschos. Vielleicht widerspiegeln diese Weine auch deshalb das Leben so gekonnt, ist doch auch in einem Menschenleben jeder Jahrgang unterschiedlich. Nebstbei erwähnt, Orange Weine lassen sich sehr gut lagern. Einen Teil der Ernte lässt der Winzer in Amphoren, also in Tongefäßen, heranreifen. Eine sehr ursprüngliche Methode, wo wir wieder beim Thema sind: Evangelos ist Grieche. In der Friaul gibt es mehr Griechen als angenommen. Ihre Identität hinterlässt nun sichtlich Spuren, ein weiteres Mosaiksteinchen in der funkelnden Triestiner Welt. Wie schon die letzten Jahrhunderte, ist die Gabe Aufmerksamkeit zu erlangen und etwas herzustellen, was der Mensch begehrt, erhalten geblieben.

Die Osmiza David Sado

Zum Mittagessen fuhren wir noch einen Sprung in die Osmiza David Sado im Umland von Triest. Bei David lebt man schon lange nicht mehr vom Wein alleine. Zimmer werden vermietet und im Innenhof werden Jause, Wein und Wasser kredenzt. Ein Konzept, das aufgeht und eigentlich einen verbindenden Faden durch die Regionen darstellt: Über das süd- und weststeirische Hügelland, hin zum Görzer Hügelland (Collio Goriziano), dem östlichen Hügelland der Friaul (Colli Orientali del Friuli) und dem Karst in Slowenien lässt sich eine Region der Lebensstile ausmachen. Zurückhaltend, nett, eigen, traditionell, aber nicht der Tradition ausgeliefert und gebildet. Mit dem Kitzeck Müller in der Südweststeiermark lässt sich beispielweise sehr gut über Punk philosophieren, mit dem Evangelos Parschos schafft man das wahrscheinlich auch.

Der Karst und die Küste

Und wieder zurück nach Triest, dieses Mal in den Karst. Genauer an die Abgründe des Karsts, ganz an der Küste. Durchaus neiderfüllt betrachtete ich im Sommer diese kleinen Parzellen unten am Meer. Oft sind es Irrwege durch die steilen Karsthänge, die einem kleine private, halboffizielle, nicht ganz legale aber im Grunde doch der Allgemeinheit zugängliche Plätze am Meer offerieren. (Von meinem Vorhaben zurückgekehrt meinte die Rezeptionistin, dass ich verrückt sei, denn Zäune, Absperrungen, ungesicherte Wege, relativ unangenehme Hunde und auch erboste Landeigentümer könnten solchen Ausflügen ein jähes Ende bereiten.) Egal, nach einer Stunde Laufen war ich entspannt genug in der Birne, um den kleinen Ausflug in die Illegalität zu wagen, zu schön war der Oktobertag um dies auszulassen. Zäune, Stiegen, Gestrüpp, Disteln, dunkle Wälder und ein Steilhang war zu überwinden, um dann vor einer dieser geheimen Buchten zu stehen. - Die Stille hat Gewicht. In der Ferne ragen die Muschelbänke aus dem Wasser, eine Jacht kehrt knapp vor der Verdunkelung heim, viel Meer vor mir, und begnadete Felsen hinter mir. Wahrscheinlich sind es diese Meter, die den Reiz dieser Region ausmachen, das harte ländliche Leben, die urbane Leichtlebigkeit, drei verschiedene Winde und eine mediterrane Wirklichkeit, die dies zu einer vielschichtigen Einheit machen.

Ciao, Wa.

Paraschos

Osmiza David Sado





Dienstag, 17. November 2015

Österreicher sind fantastische Menschen!

Das Cavalluccio-Team. Miro im weißen Hemd.


Das Cavalluccio zählt zu den besten Fischrestaurants Oberitaliens. Ist man einmal im Großraum Triest, ist beim Cavalluccio zu speisen so etwas wie eine heilige Pflicht. Österreicher werden von diesem Ort wie magisch angezogen. Einen Tag vor unserem Besuch soll zum Beispiel Ex-Finanzminister Rudolf E. zu Gast gewesen sein. Früher kam auch Jörg H. gelegentlich vorbei, jetzt macht er das nicht mehr. Wir sprachen mit Miro, dem Chefkellner mit serbischen Wurzeln, über das Leben in Duino. (Textauszug)

So schaut's aus, von außen, am Abend.



Miro, von wo kommen Sie her?
Miro: Aus Novi Sad in Serbien. Ursprünglich heiße ich Miroslav, aber hier nennen mich alle Miro.

Ihre Deutschkenntnisse sind sehr gut.
Miro: In Novi Sad ging ich in ein Gymnasium, danach in eine Sprachenschule, Deutsch lernte ich aber nie. Doch hier haben wir 70 Prozent österreichische Gäste und Angst vor der Sprache hatte ich auch nie. Heute um 13 Uhr war die Terrasse voll mit Österreichern, erste Italiener kamen erst um 14 Uhr.

Von wo kommen die Gäste?
Miro: Wir haben viele Salzburger, Wiener, aber ich habe auch viele Freunde in Leoben. Es kommen neben Italienern auch Deutsche und Schweizer.


Sonnenuntergang auf der Terrasse. Vorne, Meer!


Gibt es hier mental Unterschiede?
Miro: Der Deutsche schaut beim Essen auf den Preis, der Schweizer will gut essen, aber weniger bezahlen, der Österreicher isst was gut ist, das muss jetzt auch nicht günstig sein. Einheimische Gäste sind manchmal schwierige Gäste. Er will den Wein genau mit 12 Grad, er will den besten Tisch, will nicht warten.

Interessant!
Miro: Ich habe wirklich viel in Europa und der Welt gesehen, aber ich glaube, ohne zu übertreiben, das beste Leben findet in Österreich statt. Ich will nicht schmeicheln, aber Österreicher sind fantastische Menschen.

Das hört der Österreicher nicht oft. Meine Gesichtsfarbe nimmt sichtlich zu.
Hier in Duino gibt es eine kleine österreichische Kommune. Manche kauften sich hier ein Haus und andere heirateten auch einen Italiener.


Superbe Weine, passend zum Fisch.



Jetzt weiß ich, warum uns die Einheimischen nicht so gerne haben, aber egal. Wie schaut es mit euren slowenischen Nachbarn aus, kommen die oft?
Slowenien hat noch nicht ganz den Kommunismus verdaut. Hier ist noch immer alles zu teuer für sie. Slowenen gehen auf Urlaub lieber nach Kroatien. Aber auch wir tun uns schwer. Rijeka hat zum Beispiel einen größeren Hafen und ist billiger. In Manzano werden zum Beispiel fast keine Stühle mehr erzeugt. Die Industrie wandert nach China oder Kroatien ab. Die Menschen hier gehen nach Slowenien tanken und lassen sich dort die Zähne richten. Aber es gibt auch Chance: Wir haben zum Beispiel den bester Weißwein Italiens. In Triest hat letztes Jahr der Tourismus zugenommen, in Grado oder Lignano nicht.

Fühlen Sie sich als Italiener?
Ich bin italienischer Staatsbürger und bleibe sicher hier. Wenn im Fußball Italien gegen Serbien spielt, schlägt mein Herz für Serbien, das meiner Kinder für Italien. Wir hier in Duino haben die schönste Sonne Europas, dazu ein wunderschönes Meer und die Alpen sind 50 km entfernt. In zwei Stunde bin ich in Venedig, in vier in Wien und Italien ist für mich das schönste Land der Welt.


15. Februar - 29. November geöffnet. Dienstag Ruhetag. Reservieren ist sinnvoll!




Dienstag, 10. November 2015

Über die Stadt am Golf.


Auf unseren Reisen in den Karst trafen Mike und ich den italienischen Autor Corrado Premuda. Er schreibt und lebt in Triest und macht sich Gedanken über die Menschen, neue politische Strömungen und die Zeit als man noch über die kommunistische Grenze schaute. (Das Interview ist eine gekürzte Version, die Vollversion erscheint demnächst. Dazu kommt noch ein eigens für dieses Projekt verfasster Text des Corrado Permudas, auch demnächst.)

Mike und Corrado, zu besprechen gibt's genug!


Du bist Autor und lebst in Triest. Erzähle mir einiges über das „neue Triest“.

Corrado: Die Industrie gehört immer mehr der Vergangenheit an, Triest ist heute mehr denn je eine Stadt für Touristen. Italiener und Besucher aus ganz Europa entdecken eine Stadt, die für Italien sehr ungewöhnlich ist. Sie hat einen österreichischen Einschlag, jedoch auch viele andere architektonische Einflüsse. Dazu beherbergt Triest viele Menschen unterschiedlicher Ursprünge: Italiener, Slaven, Juden, und auch ganz neue Einflüsse sind spürbar: Durch viele Forschungs- und Bildungseinrichtungen kommen zum Beispiel auch Professoren aus Indien, oder Pakistan, manchmal sogar Nobelpreisträger und die leben nun in Triest.


Textauszug aus Corrado Premudas Beitrag zu IL CARSO LA BORA


Eine andere Frage, wie geht es den modernen Künstlern in der Kulturnation Italien?

Corrado: In Italien ist es sehr schwierig als Künstler zu überleben. Alle Künstler, die ich in Triest kenne, sind finanziell nicht abgesichert. Ich bin zum Beispiel Lehrer, Journalist und Autor. Der deutsche in Triest lebende Krimiautor Veit Heinichen kann davon leben, aber er wird auch respektiert, sowohl von der Szene als auch von der Bevölkerung. Seine Bücher spielen in Triest, das ist auch für den Tourismus interessant.

Neonationale Bestrebungen am Golf: Trieste Libera/ Svobodni Trst (Freies Triest)

Corrado: Der Gedanke unabhängig zu sein, bringt mich zum Lachen. Einige Triestiner glauben noch immer, sie sind unterschiedlich zum restlichen Italien. In einer gewissen Weise stimmt das auch. Bezüglich der Geschichte stimmt das. Aber heutzutage ist es für mich sehr befremdend zu denken, wir wären unabhängig. Unabhängig wovon? Wir sind Teil der EU, so gesehen geht die Zeit der Nationen zu Ende. Wir leben in der Epoche der Regionen, es ist interessanter über Friaul-Julisch Venetien oder die Steiermark zu reden.

Grenzstein nach Slowenien. Görz / Gorizia /´Gorica


Wie war das Leben mit den kommunistischen Nachbarn?

Corrado: Die Grenze gab uns das Gefühl, dass auf der anderen Seite etwas sehr Unterschiedliches stattfindet, das gefühlt sehr weit weg liegt. Die Grenze war also wirklich spürbar. Das fing mit dem Militär am Grenzübergang an. Um einfacher hinüber zu kommen, hatten wir spezielle Passierscheine, weil viele Triestiner auf der anderen Seite auch Angehörige hatten. Es war eine wichtige Wende für Triest, dass Slowenien und Kroatien Teil der EU wurden. – Heute sprechen wir hier manchmal von der Alpen-Adria-Region, oder auch von ganz Mitteleuropa. Das könnte zu einer Realität werden. Noch vor 20 Jahren war es noch nicht realistisch, solche Gedanken zu haben.

Über Politik zu schreiben, fällt Autoren heutzutage eher schwerer.

Corrado: In Italien ist das einfacher. Hier sind Politiker wie Schauspieler oder Komödianten. Sie unterhalten und machen TV-Shows, wie zum Beispiel Silvio Berlusconi. So gesehen kann man auch sehr leicht über sie im ironischen Stil schreiben.
Danke für das Gespräch, Ciao, čáo und tschüss,

Dienstag, 15. September 2015

Triest muss man nicht mögen.

Canale!


Triest? Ich muss Triest jetzt nicht mögen. Alle mögen Triest. Vielleicht nicht alle, aber schaut man ins Netz, oder in einschlägige Bücher, wird die Stadt mehr oder minder als Tor zur Adria angepriesen. Stimmt. Stimmt aber auch nicht, denn Triest schaut jetzt nicht zur sandigen italienischen Adria, ihr steinerner Zinken ragt nach Slowenien und Kroatien. Der Stadt fehlen die römischen Prachtbauten und die der Renaissance, der Canale Grande scheint in Summe nicht fertiggebaut, in der Literatur würde man sagen „nicht ausformuliert“, diese Nüchternheit hat natürlich seine Reize, ob sie gewollt war, ist fraglich. Auch seinen engen Gassen fehlt oft das Schmuckhafte, ich kann das gut annehmen, auch weil dadurch der Massentourismus nicht funktioniert. Trotzdem muss man Triest nicht mögen.

illy!



Man kann Triest wegen des Kaffees mögen, oder auch nicht. Über 30 Kaffeeröstereien gibt es, stimmt wahrscheinlich, aber meistens sieht man doch nur den Illy, was grundsätzlich nichts Schlechtes ist, weil er für ein Massenprodukt sehr hoch im qualitativen Anspruch liegt und auch Kunstanspruch hat, siehe zum Beispiel die von Künstlern designten Tassen, oder das Engagement auf der Biennale in Venedig. Ob’s nun noch 30 Kaffeeröstereien sind, weiß ich nicht. Hausbrand, die eigentliche Marke (mit dem historischen Link nach Graz), sieht man jedoch eher selten. Aber mag man deshalb Triest? Vielleicht mag man Triest, weil die Stadt den fünffachen Kaffeekonsum gegenüber dem Rest-Italien aufweist, das macht sie gleich viel italienischer, aber auch das ist leider eine Mär, für diese Statistik waren unsere Freunde in Jugoslawien zuständig, die in der Zeit des Kommunismus an den Grenzen zu Italien massiv Kaffee kauften um ihrem eigenen zu entkommen. (Quelle: Wolfgang Salomon „Triest abseits der Pfade“).

Gstettn!


Die Universität tut sich schwer, wurde mir berichtet. Mit Neid schaue man auf die Kaderschmieden nach Bologna und Mailand. Und auch die Jugend ist in Triest schwer zu halten. Mit der Industrie wandert auch die Jugend ab … ohne Navi hat man es auch so nicht leicht, denn die Stadt breitet sich um den Golf aus, einen zentralen Platz von dem die Straßen ausgehen ist kaum auszumachen. Dadurch lernt man zumindest andere Stadtteile kennen, in denen schäbige Hochhäuser über brach liegende Hafenanlagen ragen. Dies schaut eher nach albanischen Gegebenheiten aus, als nach der italienischen Adria. Gerade am Meer drängt sich hier die Frage auf, ob hier nicht bauliche Maßnahmen rentabel wären. Apropos rentabel: Die Stadt bzw. Rom muss an allen Ecken und Enden sparen. Das Schloss Miramare bröckelt, in der Nacht darf es nicht mehr beleuchtet werden, der Strom sei zu teuer. Langsam frage ich mich wirklich, warum sollte man Triest mögen? Vielleicht eher bemitleiden?

Café, Schiff, Platz!


Falsch! Triest ist ein wunderbar zusammengewürfelter Haufen an Kulturen. Darüber schwebt sozusagen die Triestiner Bevölkerung. Ob sie es nun wollen oder nicht, sie haben viel Italienisches an sich. Die Motorroller brausen, die Autos fahren nach Gefühl und sehr schnell, die Menschen tratschen und ratschen sehr gerne, wie es sich für Italiener gehört. Mit wunderbaren kleinen Häusern und Wohnungen machten sie sich die Karsthänge urban. Sie trotzen den Fallwinden in den kalten Jahreszeiten und lassen sich auch in den heißen Monaten nicht aus der Fassung bringen. Sie haben rechtzeitig entdeckt, dass ihre sehr eigene Art auf die schroffe Landschaft zurückzuführen ist, im dort gekelterten Wein lässt eine klare Antwort findet: Der Wein ist im Karst so eigen, sowie die Menschen auch und deshalb muss man Triest nicht nur mögen, sondern auch achten.

Ciao, čáo und tschüss,

Wa.



Sonntag, 6. September 2015

Triest: Die Sache mit dem Tourismus

 
Die „Costa Mediterranea“ mit 2680 Passagieren bringt natürlich auch Geld und Touristen in die Stadt.
Unsere Hotelmanagerin in der Villa Bottacin, Silvia Reggio, studierte Dolmetsch in Venedig, war eine Zeit lang in einem Konsulat tätig, danach in einer mehrsprachigen Zeitung. Auch sie mag sich nicht fotografieren lassen.

Der morbide Scharm Triests hatte so seine Reize, aber mir kommt die Stadt einladender vor, als noch vor 10 Jahren. Bilde ich mir das nur ein?

Silvia: Nein, nein, das stimmt schon. Vor 10 Jahren war der Tourismus so gut wie nicht vorhanden. Triest war keine touristische Stadt. Jetzt kommt mehr Geld von der Region hinein, weil sie merken, es zahlt sich aus.

Die Menschen sind auch nicht mehr so verschlossen, oder?

Silvia: Ja, das stimmt. Die Stadt ist offen und freundlich geworden.

Während wir es in Duino mit einem Papagei zu tun hatten, scheinen auf dem Hang von Triest  die Pfaue schöne Freiheiten zu genießen. Zwei Pfaue sind zum Nachbarn, gegenüber der Villa, einfach zugeflogen, vom Altersheim hinunter. Nun sind sie da und sie bleiben. Einen Wecker braucht man auch nicht.


Von wo kommen die Triest-Touristen.

Silvia: 90 Prozent kommen aus Österreich oder Deutschland. Durch die Wirtschaftskrise fallen viele Italiener aus. Die Italiener fahren zurzeit nicht mehr im August drei Wochen durchgehend in den Urlaub, sondern verlegen ihn auf längere Wochenenden. Das spart auch Geld. Andere, die es sich leisten können sind jedoch auch nicht mehr ausschließlich am Strand: Sie bleiben 3-4 Tage in Triest und sind dann noch zwei bis drei Tage in der Region, gut essen und trinken. Danach sind sie noch eine Woche am Strand und tun gar nichts.

Die Wirtschaftskrise dauert in Italien schon lange an, oder?

Silvia: Ja, aber ich glaube in absehbarer Zeit kann eine Wende zum Guten eintreten. Es gibt Signale, dass die Krise eingedämmt werden kann. Genauer können wir es uns am Jahresende anschauen. Da ist dann Matteo Renzi lange genug im Amt.


Der Künstler weiß mehr: Du musst dich immer wieder aufs Neue verwandeln, sonst wird das nichts mehr.
Wohin geht es mit Triest?

 
Silvia: Hm, das ist schwer zu sagen. Nachdem die Industrie immer weniger wird, dominiert hier das Versicherungs- und Bankwesen. Die Generali Versicherung zum Beispiel hat hier in Triest ihren internationalen Hauptsitz.
Und was ist mit der Schönheit der Stadt?
Silvia: Die Kreuzfahrten beleben wieder den Hafen und die Stadt. Dazu kommen noch Restaurants, der Tourismus und auch die Fischerei. Da wir wieder eine sehr gute Wasserqualität haben, wie Slowenien und Kroatien.

Exotisch ist hier eigentlich mehr als man glaubt: Nicht Kaiser Maxi sondern der Skorpion erregte unser Aufsehen – natürlich in ein Glas befördert und in die Natur zurückgebracht. Er ist ein Geschenk Mexikos, das Kaiser Maximilian extra nach Triest als Gastgeschenk mitbrachte - ähm, tun Sie mir einen Gefallen und glauben Sie nicht alles, was hier steht ;))
 
Wa.



Mittwoch, 2. September 2015

Die Sache mit dem Kaiserfleisch …

Innenansicht eines Buffets - Ein Kleinod an Harmonie.


Der Unterschied zwischen Kaiser Franz Josef und dem Kaiserfleisch ist ganz klar: Den Kaiser gibt’s nimmer, das Kaiserfleisch noch immer, und vermutlich hätte der Kaiser auch nie so gut geschmeckt, wie das Kaiserfleisch. Das gibt’s in Triest, wird auch auf Deutsch ausgesprochen. Gut durchwachsenes Geselchtes (nix fettes Bauchfleisch!)  mit Sauerkraut in einer Semmel. Das ist wahrscheinlich der prägnanteste Link in die Vergangenheit, der gelebt wird. Verkauft werden sie in sogenannten Buffets.

Ostern? Nix. Triestiner Alltag. So schaut's aus.


Wir setzen uns in einen kleinen Gastgarten, in eines der wohl bekanntesten Buffets im Lande, ins Buffet Da Pepi, bestellen unsere Semmerln und sind irritiert. Noch nie so stark spürte ich hier die Mischung aus der alten und neuen Zeit, das Aufeinderprallen der Kulturen. Es duftet nach Sauerkraut und Siedefleisch wie in kühlen Jahreszeiten in Österreich, dabei ist es heiß und außerdem früher Nachmittag. Die Stadt ist leblos, als würde jede Bewegung mit Arrest bestraft werden. Weil: Es ist HEISS! Und: Wir sind in Italien. Ich muss mir immer wieder in Erinnerung rufen, wir sind in Italien, da hilft die ganze österreichische Jahrhundertwende-Architektur nichts und auch die Semmel mit dem Geselchten nichts. Wir sind nicht mehr in Österreich. Wir sind in Italien, genauer in der Friaul, in der Hauptstadt der Friaul, essen ein Semmerl mit Geselchtem mit Sauerkraut, trinken dazu einen Friulano. Zumindest im Gaumen mischen sich bereits die Kulturen.

Geselchtes Semmerl mit Kraut, Friulano und Dreher Bier.


Andererseits bin ich wirklich ein Freund der Rindszunge und Innereien jeglicher Art, frei nach dem Motto: Ein Tier besteht nicht ausnahmslos aus Schnitzerln und Steaks. Natürlich kann man in Triest mittlerweile auch schon eine ganz okaye Pizza essen gehen, da sich eben in den letzten Jahren viel getan hat. Triest gleicht mittlerweile, mit seinen Fußgängerzonen, den schicken Bars und Boutiquen  mehr einer italienischen Stadt als noch vor 10 Jahren. Das ist auch gut so, beispielsweise ist Triest wieder bei den Kreuzfahrten als erster Hafen hoch im Kurs. Die „Costa Mediterranea“, 2003 sogar das größte italienische Kreuzfahrtschiff, fährt dieses Jahr seine Mittelmeerkreuzfahrten von Triest und nicht von Genua aus. Mögen der finanziell gebeutelten Stadt die Dienstleistungen neuen Auftrieb geben. Der jahrzehntelange  Grazer beziehungsweise Wiener Mief wich also einer italienischen und internationalen Aura. Dieser Wandel ist auch wichtig für die Stadt, trotz der rund 50 Buffets mit „Kaiserfleisch“, „Cren“ und Dreher Bier.

Der Mann mit der Zunge!
LINK! Da Pepi!

Freunde. Barmann und Fleischsieder.


Wa.










Donnerstag, 27. August 2015

Triest und die Sache mit der Vergangenheit …


Villa, oder Castle, Nicolò Bottacain wollte beides.

Es ist quasi unmöglich einen Schritt im historischen Teil von Triest zu tun, ohne auf das alte Triest der Monarchie zu stoßen. Zugegeben, wir wohnten jetzt nicht im brach liegenden Hafen-Areal an der Küste, aber dennoch: Zu einem kulanten Preis residierten wir in der Villa Bottacin (1854), am steilen historischen Hinterland sozusagen, ein interessantes vom Denkmalamt geschütztes Objekt, welches baulich auffallend ist. Italienische Baukunst mischt sich mit viktorianischer, besonderer Hammer: Der schottische Turm. Das muss ein absolut Durchgeknallter gewesen sein, im positiven Sinne, der sich dies erdachte. Gebaut hat es der Schweizer Architekt G. Bernardi, der Geist der dahintersteckt ist jedoch jener von Nicolò Bottacin.

Ausblick aus dem Zimmer: Die ehemalige psychiatrische Klinik, heute Teil der Uni Triest.

Tatsächlich muss der Venezianer ein genialer und zugleich einflussreicher Zeitgenosse gewesen sein. Bottacin war Botaniker, die Berufsbezeichnung Botaniker löste zur der Jahrhundertwende Bewunderung aus, Reisen in ferne Länder, das Finden von unbekannten Pflanzen und die Verschiffung nach Europa – heute würde man den Herrn wahrscheinlich Gartendesigner oder Gestaltungskünstler nennen, denn Signore Bottacin war ein Freund von Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich und einer der Federführenden in der Gestaltung des Gartens von Maximilians Schloss Miramar, an der Bucht von Grignano, (also nix Lignano ;) das am Karstzinken von Triest, wo so schwer Parkplätze zu bekommen sind und zumindest diesen Sommer der berühmte Schlossgarten recht fesch zugewachsen war.

Auf den Karst gebaut: Schloss Miramar und der Garten.

Zugewachsen gefällt mir in diesem Punkt, denn dieser Blog soll keine Monarchie-Schmeichelei sein, von der gibt’s eh genug und André Hellers nostalgische Genialität nicht die meine ist, gehen wir einen Schritt weiter. Bottacin war Politiker, Botaniker, auch eine Art Künstler, ein Mann der sich umsetzte, nicht umsonst ziert in Padua ein Museum noch seinen Namen und zeigt seine Schätze – so nebenbei war es auch nicht unspannend, kurz einmal am Abend im Garten der Villa Bottacin zu verweilen, im Gedanken, dass hier Maximilian und Gefolge aus und ein gingen, die Gartengestaltung planten, bevor sie sich in das waghalsige Abenteuer Mexiko stürzten, das ja bekanntlich für den Maxi und seine Charlie ein eher ungünstiges Ende nahm.

Nix Dschungelcamp, sondern Schlossgarten, ein bisserl verwildert.
 
Nein, es geht eher um die Vision, die man hatte und auch durchführte, eine rüde Karstlandschaft rund um das Schloss in einen blühenden Garten mit Gewächsen aus aller Welt zu verwandeln, gleich, wie Triest, wo die großen Plätze und Straßen, die am Reißbrett entworfen sein mussten auf trockengelegte Salinen ins Meer gebaut wurden. Eine visionäre Bauwut sozusagen, aber auch die Möglichkeit, Kreative, Spinner und Grenzgeniale einen Ort des Wirkens zu geben. Möglichkeiten, von denen man heute nicht einmal zu träumen wagt, und das nicht nur in Triest. Aber: Der Mut zur Vision kostet nichts.

Triest in das Meer gebaut. Möglichkeiten gibt's wo Menschen wild denken.

Nein, es geht eher um die Vision, die man hatte und auch durchführte, eine rüde Karstlandschaft rund um das Schloss in einen blühenden Garten mit Gewächsen aus aller Welt zu verwandeln, gleich, wie Triest, wo die großen Plätze und Straßen, die am Reißbrett entworfen sein mussten auf trockengelegte Salinen ins Meer gebaut wurden. Eine visionäre Bauwut sozusagen, aber auch die Möglichkeit, Kreative, Spinner und Grenzgeniale einen Ort des Wirkens zu geben. Möglichkeiten, von denen man heute nicht einmal zu träumen wagt, und das nicht nur in Triest. Aber: Der Mut zur Vision kostet nichts.


Ciao, čáo und tschüss,

Wa.