Samstag, 25. Juli 2015

Duino, Rilke und was ist heute los?

Wohnstraße in Duino, unspektakulär angenehm!


Unsere Homebase war für die nächsten Tage eine sehr nette Frühstückspension, Albergo Garni‘ Aurora, in der Gemeinde Duino-Aurisina (laut Wiki: slowenisch Devin-Nabrežina, deutsch Thübein-Nabreschin oder auch Tybein) bei Triest, die die Einheimischen Duino nennen. Jetzt vielleicht ein eher unauffälliger Ort an der Adriaküste, aber deshalb umso angenehmer, weil eben auch ruhiger.


Blick auf das Schloss Dunio, vom Rilke-Weg aus.

Wenn sich hier Touristen einfinden, dann um in den Karst zu wandern oder das Schloss Duino "Castello di Duino“ zu besichtigen, das in den Grundfesten seinen Ursprung im römischen Reich hat. Es liegt auf dem letzten Felsvorsprung des Karsts und bietet einen einladenden Blick zum Mittelmeer. Seit dem 19. Jahrhundert im Besitz des Adelsgeschlechts von Thurn und Taxis, ist der Link nach Österreich hier sehr stark ausgeprägt. Hier musizierte bereits Franz Liszt und Rainer Maria Rilke schrieb hier seine Duineser Elegien. Eh ganz anständig, denke ich mir. In der Neuzeit, also knapp ein Augenaufschlag von heute entfernt, schaute sicher einmal auch André Heller vorbei und schwelgte in alten Erinnerungen. Ziemlich hart: der Physiker und Philosoph Ludwig Boltzmann griff im Schloss erfolgreich nach dem Galgen und Franz Ferdinand soll von hier aus zu seiner geschichtsträchtigen Reise nach Sarajevo aufgebrochen sein. (Die, ohne Rückkehr.)
 
Fenster mit Aussicht auf den Schlossgarten
 

Was bleibt: Ein Schloss voller Erinnerungen, super zu fotografieren, weil wenige bis keine Wärter, ein ziemlich gelungener Schlossgarten, angelegt im 19. Jahrhundert, der auch im Hitzejahr 2015 ein kühles Platzerl offeriert. Was ist: Ja und was denkt man sich dort, außer heiß, sehr heiß? Vielleicht, dass der Rilke dort auf Selbstfindung unterwegs war, „Ein jeder Engel ist schrecklich.“, ist schon ein guter Anfang. Dass einem auf dem in der Affenhitze, abseits von uns, unbesuchten Rilke-Weg das slowenische Netz angeboten wird ist vielleicht der zweite Denkansatz und dass man von den Menschen hier einiges lernen kann, der dritte, doch zu dem, in meinem nächsten Blog.

Ciao, čáo und tschüss,

Blick zur See: Dank Abgewanderter Industrie kein verschmutzest Wasser mehr.