Donnerstag, 6. August 2015

Die Sache mit dem Wein und dem Grenzland …


Vino!



Wenn Norditalien, Slowenien und die Steiermark eines verbindet, ist es der Wein. Da Winzer grundsätzlich gescheite Menschen sind und die junge Generation sich auch immer neu erfindet, wissen sie einiges über Land und Leben zu berichten.

Wir machen bei den Winzern Fruscalzo in Ruttars halt. Ruttars liegt in den Weinbergen des Collios. Geschichte! Während des Ersten Weltkriegs war der Collio Frontgebiet und die „Schlachten am Isonzo“  dürfte allen ein Begriff sein. Heute zum Glück, wie vor dem Krieg, regiert der Weinbau. Das Collio ist sehr eigen, vertritt eine individuelle Weinlinie und hat ein Credo: Sich immer treu bleiben.


Auf dem Weingut Fruscalzo - coole Box!


Wie viele Weingüter im Collio, ist auch das Gut Fruscalzo ein Familienbetrieb. Das Weingut Fruscalzo ist wunderbar in der Natur verankert. Mike und ich betreten den Hof, vier Jagdhunde begrüßen uns bellend und die Geschwister Daniela und Graziano Fruscalzo empfangen uns so, wie es sich für fleißige Friulaner gehört, in der Arbeitsmode. Das Interview führe ich mit Daniela, da sie hier in der Tourismusschule Deutsch lernte und danach eine Zeit lang in München arbeitete.

Das edle Gut mit dem venezianischen Löwen.


Die Weinsorten bei euch haben klingende Namen: Sauvignon, Ribolla Gialla, Friulano, Pinot Bianco, Pinot Grigio.

Daniela: Wir machend den Wein, der hier seit Generationen wächst.

Geht ihr mit der Zeit? Bio-Weine, oder so?

Daniela: Der Wein muss uns zuerst einmal schmecken, das ist wichtig für die Identifikation. Wir machen keinen reinen Bio-Wein, aber setzen so wenig Chemie wie nötig ein. Zum Düngen nehmen wir auch Kuhmist. Wir nehmen das sehr ernst: Uns ist wegen dem Regen auch schon eine Ernte ausgefallen, weil wir eben sehr wenig gespritzt haben. Wir orientieren uns auch an den Mondphasen, das machen wir auch in unserem Gemüsegarten, das haben wir von unseren Großeltern übernommen.

Der Grenzstein im Grenzhaus - über 100 Jahre alt.



Euer Weingut steht auf einem interessanten Platz.

Daniela: Heute blickt man vom Weingut der Fruscalzos nach Slowenien. Vor über hundert Jahren trennte hier der Hof Venezien und Österreich, sogar ein Grenzstein im alten Grenzhaus weißt noch auf diese historische Gegebenheit hin. Unsere Großeltern kamen aus der Gegend Venedig / Treviso. Mein Großvater verlor viel Geld, also mussten sie sich als Taglöhne wieder hocharbeiten. Schließlich verkauften die reichen Gutsherren hier Grundstücke und mein Vater erwarb eines. So bauen wir hier seit 1950 Wein an. Deshalb beziehen wir uns aber auch auf Venezien und haben den venezianischen Löwen auf unseren Flaschenetiketten involviert.

 
War in der Zeit des Kommunismus die (grüne) Grenze nach Jugoslawien dicht? 

Daniela: Für meinen Vater hat es nie eine Grenze nach Jugoslawien gegeben. Wir machten immer Geschäfte mit den Slowenen, auch noch zu Titos Zeiten. Wir kauften immer Kühe, Schweine, oder auch Grappa. Das lief damals unter Freunden ab, wie Nachbarschaftshilfe.

Wie war das, als die Grenzen fielen?

Daniela: Für uns war das normal. Aber Leute, die nur sieben Kilometer von uns entfernt wohnen, haben plötzlich Slowenien entdeckt. Gewisse Kontrolle sollte es jedoch geben, nach der Öffnung der Grenzen wurden auch illegale Geschäfte getätigt, aber was die Bewohner betrifft, sind wir wie Nachbarn.
Der Ausblick nach Slowenien.
 

Sprecht Ihr auch slowenisch?

Daniela: Nein, bei uns wird Friulanisch gesprochen, die Slowenen können aber sehr gut italienisch. Trotzdem ist es eine Region. Es ist für mich kein Problem, wenn Kunden kommen, dass ich ihnen Tipps für Slowenien gebe, wo sie zum Bespiel ein Quartier finden können, oder wissen wollen, welche Lokale ich in Slowenien empfehlen kann.  

Spürt man hier noch Österreich?

Daniela: Es gibt eine feste Beziehung mit Wien, hier kommen viele Gäste aus Wien her. Natürlich gibt es in Triest auch eine ähnliche Kost wie in Österreich. Bei Triest darf man nicht nur an das Meer denken.

Könnt ihr mir hier euren Menschenschlag beschreiben?

Daniela: Wir müssen immer arbeiten, arbeiten, arbeiten, dann hat man was.

Wie wird die Friaul im internationalen Kontext gesehen?

Daniela: Die Friaul wird in Italien als arme Region bezeichnet, aber sie kann viel anbieten. Eine wunderbare Landschaft vom Gebirge bis zum Meer. Hochwertiger Wein, Schinken, Käse und ein gut entwickelter Tourismus.

Danke für das Gespräch, Ciao, čáo und tschüss,

Wa.
 

Daniela und Graziano Fruscalzo